2015-12-30

Zeichner-Interview von FraeuleinAmalia mit Aya

Ursprünglich sollte dieses eigentlich auf Animexx im Rahmen einer Adventskalenderaktion erfolgen, tat es aber nicht und mit freundlicher Genehmigung darf ich es nun aber dennoch hier hochladen. :)
Die Fragen sind von FraeuleinAmalia zusammengetragen.

Ich muss sagen, dass einiges gar nicht so leicht zu beantworten war, weil ich mich wirklich mal wieder mit mir und dem Thema Zeichnen bzw. Doujinshi auseinandersetzen musste.

Nun aber viel Spaß! :)



Seit wann zeichnest du?
Ich habe zwar schon als kleines Kind liebend gern gezeichnet, aber bewusste Motive folgten erst als ich im Fernsehen Power Rangers, Sailor Moon und Co. sehen konnte.
Der "Entschluss", mich vor allem mit Manga und Anime zu beschäftigen, liegt jetzt gut dreizehn Jahre zurück, war dennoch aber recht faul, was das Üben betrifft.
Ernsthaftes Doujinshizeichnen ging somit erst 2011 los.


Hast du Vorbilder?
Ich habe verschiedene Mangazeichner, die ich mag und für jeweils ganz unterschiedliche Dinge bewundere:
Takeuchi Naoko, deren Zeichnungen für mich jedes Mal aufs Neue bezaubernd filigran sind.
Aoyama Gosho, welcher mich vor allem durch sein Detailreichtum und saubere Zeichnungen beeindruckt. Toriyama Akira ist für mich die Nummer 1 des Slapsticks.
Die Geschichten "Kamikaze Kaito Jeanne" und "Fullmoon wo Sagashite" im Shojo-Bereich von Tanemura Arina bewegten mich wiederum sehr. Ebenso Yazawa Ais "Nana" und Ashihara Hinakos "Sunadokei" im Slice of Life-Genre.

Abseits von Manga und Anime bin ich seltener unterwegs und kann da keine direkten Vorbilder nennen, aber es existieren viele Künstler, die ich z.T. auch abonniert habe und welche mich durchaus mehr als nur ein bisschen beeindrucken: David Füleki, Ilya Kuvshinov, Dina Brodsky, Jake Parker, Marc Boutavant, Kiuchi Tatsuro, ... und natürlich Meister wie Mucha, Klimt, Monet, Degas, Matisse, Mondrian, Picasso, aber auch Warhol, Lichtenstein, ... Beatrix Potter ;)


Was zeichnest du am liebsten für Doujinshi?

Am liebsten sind mir generell Alltagsgeschichten. Man kann so viel aus den eigenen Erlebnissen schöpfen. Gleichzeitig ist es aber auch sehr schwierig, jene Storys glaubhaft zu gestalten.
Die Probleme, welche die Charaktere durchleben müssen sind solche, die man meist selbst in ähnlicher oder abgewandelter Form kennt und zeigen sich somit als recht real.
So auch die zwischenmenschlichen Beziehungen - eine weitere Sache, die ich sehr gerne zeichnerisch darstelle, aber ebenso unheimlich komplex sein kann. Man muss seine Charaktere wirklich gut kennen und man kann nichts niederschreiben bzw. -zeichnen, von dem man keine Ahnung hat.
Aber ich mag es, mich neuen Herausforderungen stellen zu können :D


Was zeichnest du gar nicht gerne?

Actionszenen. Ich hasse sie regelrecht. Verzerrte Perspektiven, dynamische Posen, der Einsatz von Speedlines und Soundwords... das sind Dinge, die ich am liebsten gar nicht erst anpacken würde.
Ich habe dann zwar die richtigen Vorstellungen... kann sie aber nicht umsetzen - und das frustriert. (lach)


Was denkst du, hat den größten Einfluss auf deine Doujinshis?

Meine eigenen Erfahrungen mit der Welt und den Menschen, meine Beobachtungen.
Aber gleich darauf sind es dann Bücher, die ich gelesen oder Filme, die ich gesehen habe.


Was ist das deiner Meinung nach auffälligste an deinen Doujinshis, bzw. gibt es Story- oder Bildelemente, die sich gelegentlich wiederholen?

In meinen Augen auffällig ist die durchaus gleiche Art von Humor, welche sich in Form von auftretenden SD-Figuren (super deformed = super deformiert) bzw. Chibi-Figuren ("klein") zeigt.
Ich lockere Szenen immer mal wieder mit einem plötzlichen Witz auf oder ziehe Parallelen zu bekannten Geschichten, Ereignissen, etc.
Das Zweite, was mir noch einfällt, ist die Tatsache, dass ich meine Charaktere gerne gedanklich reden lasse - Gedankengänge sind etwas tolles - sie geben Einblick in das Innere der Figur, deren Ängste, Sorgen und Wünsche und sind gleichzeitig auch Hilfe, bestimmte Verhaltensweisen zu erklären.


Wo siehst du dich als Doujinshi-Autor in einem Jahr?
Eine schwierige Frage... Ich hoffe zunächst einmal, dass ich meine erste wirklich lange Geschichte "Fünf Tage Hölle" beendet habe und mich an die nächste setzen konnte.
Ebenso wieder eine oder zwei Kurzgeschichten.
Vor allem möchte ich aber technisch weiter gewachsen sein und ein bisschen professioneller zeichnen können. :)


Was ist dein Ziel als Doujinshi-Autor?
Ich möchte Geschichten zeichnen, die einem Freude beim Lesen bereiten.
Die einen berühren, vielleicht zum Nachdenken anregen oder aber auch einfach sagen lassen "Das kenne ich." Wenn ich das erreiche, dann bin ich schon ziemlich glücklich.
Ungelogen möchte ich aber auch MICH verbessern.
Ich möchte Geschichten besser erzählen können, möchte besser Tuschen und Rastern können oder generell einfach in Perspektive und Proportion wachsen. Viele kleine Dinge, die das Gesamtbild ergeben.


Wie bekämpfst du ein Kreatief?
Wenn ich wirklich ein kreatives Tief habe, dann muss ich anderes machen. Schreiben, Gitarre spielen, singen, ... irgendetwas. Ganz ohne Kreativität geht es bei mir eh nicht.
Sich herausquälen bringt mir nichts. Das habe ich schon oft versucht und bin jedes mal dran gescheitert. Lieber warte ich ab und versuche mich in der Zeit an anderen Dingen.


Wo arbeitest du am liebsten und was darf auf keinen Fall fehlen (neben deinen Zeichenutensilien) ?
Zuhause an meinem Schreibtisch. Ich brauche meine gewohnte Arbeitsumgebung, meine Materialien, meinen freien Blick in den Himmel und vor allem auch meine Musik.
Manchmal arbeite ich auch in totaler Stille, aber meistens muss irgendein Soundtrack o.ä. laufen, damit ich vorankomme. Der Griff zur Wasserflasche muss ebenso gesichert sein wie auch der Griff zur Schokolade oder zum Schokomüsli. ;)


Wie oder wo kommen dir die meisten und besten Ideen?
Das kann sowohl beim Duschen als auch auf Arbeit passieren. Oder beim Busfahren, wenn ich fast einschlafe.
Die meisten Inspirationen bekomme ich plötzlich - bei einer Tasse Tee mit Freunden, beim Shoppen, wenn ich in der Stadt unterwegs bin und Straßenkünstler sehe oder mich einfach mit fremden Menschen im Urlaub unterhalte. Letzteres ist für mich besonders spannend und brachte mir schon so einige interessante neue Blickwinkel und Gedanken ein. Demzufolge also auch fremde Städte, Ausstellungen und weitere Dinge, die den Geist beflügeln.


Was macht dir beim Zeichnen eines Doujinshis den meisten Spaß?
Ungelogen die Vorzeichnungen. Ich werde nie ein Fan vom Tuschen sein (bis auf Hintergründe) - daher mag ich die Vorzeichnungen am liebsten. Der Bleistift war schon immer mein bester Freund, weil er so viel hergibt.
Er kann ewig bestehen oder aber auch vergänglich sein.
Wie ich dann noch sagte: Hintergründe. Habe ich früher gehasst, aber heute ist es für mich die reinste Meditation, mich stundenlang an Städten, Landschaften und Gebäuden aufzuhalten... wäre dann nur nicht das Inken. :'D


Worauf legst du bei deinen Charakteren den größten Wert?
Vielfalt. Bei Kurzgeschichten habe ich oft das Problem, dass ich immer nur ein, zwei Seiten der Charakterpersönlichkeit beleuchten kann, aber nie mehr. Meine Figuren sollen viel von sich zeigen können – das, was der Leser nicht erwartet. Und sie müssen relativ natürlich aussehen. Solange mein Protagonist kein Exzentriker ist, wird er nie überstylt sein oder fantastische Frisuren tragen.
Das ist einfach mein Tick.



Zeichnest du lieber Fangeschichten (sprich zu einer Serie) oder selbsterdachte Geschichten?

Ich zeichne lieber selbst erdachte Geschichten, wobei es damals durchaus Spaß gemacht hat, den Bleach-Doujinshi als erstes großes Projekt zu zeichnen.
Bei so etwas fehlt mir aber eigentlich der Anreiz der Charakterentwicklung und ich habe Angst, dass ich zu sehr kopiere, weshalb ich lieber bei meinen eigenen Storys bleibe.


Welche Genres liegen dir am meisten/zeichnest du am liebsten?
Slice of Life mit dem Funken Shojo.
Diese habe ich selbst am meisten gelesen und verinnerlicht - wobei mein Stil selbst nie vollkommen dem Glitzerklischee des Shojo-Genres entsprechen kann: Dafür gab es ebenso viele Serien wie Dragon Ball, Ranma 1/2, Bleach, Death Note, ... Serien, die weitaus simpler bzw. ohne Schnickschnack gezeichnet wurden.


Mit welchen Genres kannst du gar nichts anfangen?
Splatter und Yaoi/Shonen-Ai.
Ersteres mag ich auch bei Filmen nicht - ich steh nicht auf sinnlose und oftmals auch einfach nur physiologisch unlogische Blutlachen. (lach)
Zweiteres... hierbei muss ich gestehen, dass ich oftmals die Zeichnungen mag, aber mit den Storys nichts anfangen kann. Leider. In meinen Augen gibt es sehr, sehr viele begabte Shonen-Ai/Yaoi Zeichner - aber die Geschichten packen mich einfach nicht.


Was ist dein Lieblingsmedium und weshalb?
Am liebsten arbeite ich mit Aquarell.
Gerade hier merke ich immer wieder, dass nichts funktioniert, wenn ich zu sehr nachdenke.
Ich bin ein Mensch, der generell zu viel nachdenkt und demnach bedeutet Aquarell für mich "abschalten".
Und nicht nur das: Die z.T. vorhandene Unberechenbarkeit ist genau das, was ich liebe. Das Aufsetzen der Pinselspitze auf die nasse Oberfläche und die daraus entstehenden Muster durch das Zerfließen der Farbe... es gibt nichts spannenderes! Wirklich!


Welches Medium würdest du gerne einmal ausprobieren?
Airbrush. Besonders, wenn es um Designs von Autos oder Motorrädern geht.
Ich finde es faszinierend, was man mit etwas Farbe und einer Airbrushpistole anstellen kann.
Nun... aber die Ausrüstung ist auch nicht die günstigste.


Was ist dein Lieblingsformat?
Aktuell ist es das Querformat. Eigentlich habe ich immer Hochformat bevorzugt, aber in letzter Zeit bewies sich Querformat als praktischer. Und wenn wir von Zahlen sprechen: 24x32cm.
Bei Aquarell zeichne ich generell etwas über A4 hinaus, traue mich aber dann wiederum noch nicht an größere Formate heran.
Ganz anders als bei Acryl... Lange schmale Formate... Liebe! <3


Was zeichnest du thematisch am liebsten?
Natur und Architektur.
Bei ersterem hat man einfach viele Freiheiten in der Gestaltung der einzelnen Bildelemente, kann sich ausleben und die Farben schlichtweg fließen lassen oder aber eben auch mit Strukturen das ganze beleben. Architektur ist für mich reinste Präzisionsarbeit, aber gleichzeitig auch sehr entspannend, weil ich mich so die gesamte Zeit über auf eine bestimmte Sache konzentrieren muss und davon dann auch nicht mehr abzubringen bin... außer ich unterbreche mich selbst. ;)


Was zeichnest du gar nicht gerne?
Um ehrlich zu sein: Tiere.
Nicht, dass die bei mir wie Aliens aussehen würden... aber ich finde sie schlichtweg nicht gut.
Liegt ein bisschen an meiner Faulheit, mich mit deren Anatomie auseinander zu setzen. (lach)


Was denkst du, hat den größten Einfluss auf deine Bilder?
Musik, Film, Bücher, … aber vor allem auch die Arbeit anderer Künstler.
Momentan liebe ich es, anderer Werke zu analysieren und auch mal deren Technik auszuprobieren. Zu sehen, was mir selbst bringen könnte, was ich von diesen lernen könnte.
Oftmals sind es auch einfach „nur“ die Bildideen oder die Farbgestaltung, die für mich inspirierend ist.



Was ist das deiner Meinung nach auffälligste an deinen Bildern, bzw. gibt es Bildelemente, die sich gelegentlich wiederholen?

Zumindest die Tatsache, dass ich vor allem Frauen zeichne. Sie gehen mir schlichtweg besser von der Hand. Und im Gegensatz zu Männern mag ich gerade das Filigrane und Anmutige, was man ihnen geben kann.
Ich liebe es, Haare zu zeichnen – vielleicht sieht man auch dort etwas Wiederkehrendes?
Seit einem Jahr sind es aber auch generell Hintergründe. Das war früher nicht der Fall. Heute mag ich meistens keine Bilder mehr, die nicht ein bisschen Deko besitzen.


Wo siehst du dich als Künstler/in in einem Jahr?
Ich hoffe, dass ich mehr Leute mit meinen Bildern erreicht habe als jetzt – beim Zeichnen von Bildern tue ich dies in erster Linie für mich und für meine Liebsten. Es ist ein Hobby, eine Entspannung. Wenn es dann aber noch anderen gefällt, bin ich doppelt so glücklich. :)
Das Schönste wäre es, wenn ich mich in Aquarell so weit verbessert hätte, dass man einen „Wow“-Effekt erlebt... ich habe keine Ahnung, ob der Sprung kommt, aber da würde ich mich wirklich gerne sehen.


Was ist dein Ziel als Künstler/in?
Für die Zukunft möchte ich Bilder schaffen, die etwas aussagen und nicht nur schön sind.
Motive finden und auch die Umsetzung hinbekommen, die etwas bedeutet.
Klar will ich mich auch in meinen Schwachpunkten verbessern – das mehr als vieles andere.
Und mich immer wieder an neue Medien probieren.


Nimmst du Aufträge an? Wenn ja: warum, wenn nein: warum nicht?
Aktuell Nein, weil mir einfach die Zeit fehlt. Generell aber Ja.
Ich denke nicht, dass ich mit Zeichnen mir meinen Lebensunterhalt verdienen kann, ein Zuverdienst ist aber auch nicht schlecht.
Ich habe kein Problem damit, das Zeichnen als „Dienstleistung“ anzubieten. Allerdings habe auch ich ein paar Prinzipien und Moralvorstellungen und wenn die nicht zutreffen, dann wird es nichts. ;)


Was findest du schlimmer (und warum): ein Kreatief, wenn du zeichnen musst, oder ein Kreahoch, wenn du nicht zeichnen kannst?

Wenn ich nicht zeichnen kann.
Befinde ich mich in einer absoluten Hochphase, dann geht mir das Zeichnen sehr fix von der Hand und ich produziere ohne Ende Bilder über Bilder. Seltsamerweise habe ich dann gefühlt mehr Zeit als sonst. (lach)
Nicht Zeichnen zu können ist für mich immer ein kleiner Rückschlag. Ich weiß zwar, dass das normal ist, man ist schließlich Mensch und nicht Maschine – aber nervig ist es dennoch.


Hast du kurz Zeit, um eins deiner ersten hier hochgeladenen Bildern neu zu skizzieren? (10-Minuten-Skizze)

Na gerne doch! Und im direkten Vergleich.... bin ich gerade ziemlich erschrocken (lach).
Das ausgesuchte Bild ist wirklich das erste, welches ich hier hochgeladen habe, sprich über zehn Jahre alt.



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